Erneut beweisen sich Empfehlungen meiner Kommilitonen als verlässliches und robustes Auffangnetz, wenn es mal wieder was anderes sein darf, als die sich stapelnde Literatur zu den Hausarbeitsthemen.
Somit nahm ich bei absehbar langen Bahnfahrten Kraken von China Miéville mit auf den Weg. Das einzige, das mich davon abhält, alle Kapitel auf einmal zu lesen, sind knappe Umsteigezeiten, mangelnde Sitzplätze und die Suche nach alternativen Verbindungen. Selbst wenn ich deshalb nur gelegentlich vorankomme, ist es immer wieder eine Freude, die Geschichte wieder aufzunehmen. Die Gewöhnlichkeit, mit der die absurden Geschehnisse vorfallen, sind eine Erholung von meinen sonst-schwülstig verfassten Fantasy Szenarien, in denen wenige Sätze die Seite füllen. Doch auch hier mangelt es nicht an merkwürdigen Gestalten. In diesem Falle wollen sie den Kraken ausfindig machen, der sich scheinbar im Londoner National History Museum in Luft aufgelöst hat. Ganz fertig bin ich allerdings noch nicht, jedoch stehen nun wieder regelmäßige Bahnfahrten an, die mich Haltestelle für Haltestelle dem Ende des Romans ein wenig näher bringen.
Darüber hinaus ergab sich der Anlass Die Mutprobe von Nabokov zu verschenken, an das auf meine Empfehlung bereits vier weiteren Menschen geraten sind. Dass die Schwärmerei wieder nur so wallte, nahm nach einem kurzen Wochenend-Lesemarathon sein Ende. Die Erzählung über Martin Edelweiss war zu der Zeit mein ständiger Begleiter, in der ich regelmäßig zwischen Elternhaus und erster eigener Wohnung pendelte. Bedeutend war für mich der Einblick in das Leben eines Protagonisten, der an neuen Orten seine Heimat findet und Menschen begegnet, die mit ihrer Eigenart oder flachen Persönlichkeit für eine besondere Dynamik in seinem Leben sorgen. Martins Beobachtungen und Fantasievorstellungen rufen eigene Kindheitserinnerungen wach, und auch das auf Entwicklungen folgende Unbekannte droht mit der Zeit immer näher zu rücken. Für mich persönlich liegt die Stärke des Romans in der Vertrautheit von Martins Gedanken, die mich dazu führen, alle Jahre wieder seinen Weg mit einer neuen eigenen Perspektive zu begleiten.
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